Werkstätten sollen Menschen mit Behinderungen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vorbereiten. Doch nur wenige schaffen den Wechsel – und für ihre Arbeit bekommen viele nur sehr wenig Geld. Mareice Kaiser erklärt in einfacher Sprache, warum echte Teilhabe anders aussehen muss.
Lektorat einfache Sprache: Anne Leichtfuß
Hier kommt ein Job-Angebot: 1,50 Euro pro Stunde für eine Vollzeitarbeit von Montag bis Freitag. Na, hast du Lust auf diesen Job? Nein? Kein Wunder. Aber viele Menschen müssen zu diesen Bedingungen arbeiten: Menschen mit Behinderungen in Werkstätten.
Foto: Fabian Melber
Wer spricht hier?
Mareice Kaiser ist Bestseller-Autorin und Journalistin – und Mutter. Als Arbeiterkind ohne Studium ist sie die Ausnahme in einem Beruf, in dem die allermeisten einen Uni-Abschluss haben. Mareice kämpft für eine Gesellschaft, in der wir nicht auf Glück angewiesen sind, um ein gutes, würdevolles Leben zu führen. Ihr aktuelles Buch "Wie viel" erzählt entlang acht persönlicher Porträts, wie Geld unser Leben bestimmt – und wie ungerecht es verteilt ist.
In einer meiner vorherigen Kolumnen ging es um den Verdienst von Bundestagsabgeordneten. Das sind die Menschen, die Politik machen. Sie bekommen 11.000 Euro pro Monat, in Zukunft wahrscheinlich noch mehr. Menschen, die in Behindertenwerkstätten arbeiten, bekommen für ihre Arbeit 250 Euro im Monat.
250 Euro im Monat. Wie soll man davon leben? Ja, genau. Gar nicht. Deshalb gibt es dazu noch Grundsicherung. Grundsicherung ist Geld vom Staat. Aber auch mit dieser Grundsicherung bleibt das Einkommen beim Existenzminimum. Das bedeutet, es reicht gerade so für alles Lebenswichtige, aber mehr ist nicht drin.
Eigentlich sollen die Werkstätten die Mitarbeitenden auf das Arbeitsleben auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vorbereiten. Aber nur ein Prozent der Menschen aus den Werkstätten wechseln auf den allgemeinen Arbeitsmarkt.
Für Kinder mit Behinderungen ist die Schule und die Arbeit oft vorgezeichnet: Erst Sonderschule, später Werkstatt. Es gibt nur sehr wenige Menschen mit Behinderung, die andere Chancen bekommen. Und damit bekommen auch Menschen ohne Behinderung nicht die Chance, zusammen mit Menschen mit Behinderung zu lernen, zu arbeiten und zu leben.
Die Arbeit in den Werkstätten ist Ausbeutung. Das bedeutet, viele Menschen in den Werkstätten werden ausgenutzt. Sie arbeiten viel und bekommen wenig Geld. Das ist ungerecht. Menschen, die in den Werkstätten arbeiten, haben keine Lobby. Lobby bedeutet: Sie haben keine Menschen mit Macht, die sich für sie einsetzen. Deshalb müssen sie weiter für 1,50 Euro pro Stunde arbeiten.
Willst du auch mal Gewinner*in sein?
Jeden Monat aufs Neue drehen wir am Rad: Sei dabei und erfahre selbst, wie Grundeinkommen dein Leben verändert!
Diesen Text habe ich in einfacher Sprache geschrieben. Damit möglichst viele Menschen solche Texte verstehen können, sollte es viel mehr Texte in einfacher Sprache geben. Dann könnten auch mehr Menschen im allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten und müssten sich nicht in Werkstätten ausbeuten lassen.
Das könnte dir auch gefallen
Leistung muss sich lohnen
Eine Abrechnung mit einem politischen Lieblingssatz
Du findest gut was wir tun? Dann unterstütze uns als Crowdhörnchen – schon ab 1 Euro! Damit ermöglichst du unsere journalistische Arbeit, Forschung zum Grundeinkommen und die Verlosung. Bist du dabei?