"Na, wie viel Geld verdienst du?" Eine ziemlich unangenehme Frage. Und genau deshalb eine ziemlich gute. Mareice Kaiser erklärt, warum wir viel öfter über unser Einkommen sprechen sollten – und warum es sinnvoll ist, dass es dazu sogar bald ein neues Gesetz gibt.
Wer kennt es nicht, das gute alte Sprichwort "Über Geld spricht man nicht"? Ja, über Geld wird gerne und oft geschwiegen. Und dieses Schweigen ist ziemlich praktisch für manche. Und hat Folgen für andere. Denn solange niemand vergleicht, fällt auch niemandem auf, wer weniger bekommt – und es lässt sich noch schwerer verändern. Genau deshalb fordern viele Arbeitsmarktforscher*innen mehr Gehaltstransparenz.
Und genau deswegen finde auch ich es gut, dass das sogenannte "Entgelttransparenzgesetz" aktuell weiterentwickelt wird. Es verpflichtet Unternehmen dazu, ihre Gehaltsstrukturen transparenter zu machen. In Stellenausschreibungen soll dann künftig klarer stehen, wie viel Geld es für einen Job gibt – und zusätzlich sollen Beschäftigte leichter erfahren, ob sie für gleiche oder gleichwertige Arbeit genauso bezahlt werden wie ihre Kolleg*innen.
Das Gesetz soll also auch dafür sorgen, dass für gleiche oder gleichwertige Arbeit das gleiche Geld gezahlt wird. Bis zum 7. Juni 2026 haben die EU-Mitgliedstaaten Zeit, die Vorgaben in geltendes Recht umzusetzen.
Foto: Fabian Melber
Wer spricht hier?
Mareice Kaiser ist Bestseller-Autorin und Journalistin – und Mutter. Als Arbeiterkind ohne Studium ist sie die Ausnahme in einem Beruf, in dem die allermeisten einen Uni-Abschluss haben. Mareice kämpft für eine Gesellschaft, in der wir nicht auf Glück angewiesen sind, um ein gutes, würdevolles Leben zu führen. Ihr aktuelles Buch "Wie viel" erzählt entlang acht persönlicher Porträts, wie Geld unser Leben bestimmt – und wie ungerecht es verteilt ist.
Ein Teil dieser Lücke lässt sich laut Statistikamt zwar durch strukturelle Faktoren erklären, wie zum Beispiel unterschiedliche Branchen oder Arbeitszeiten, aber selbst wenn man dies herausrechnet, bleibt ein sogenannter bereinigter Gender Pay Gap von etwa sechs Prozent bestehen.
Diese sechs Prozent sind also ein Unterschied im Einkommen, der sich selbst bei vergleichbarer Qualifikation, Tätigkeit und Erwerbsbiografie einfach nicht erklären lässt. Es gibt dafür schlicht keinen Grund. Ich finde, das ist einfach nur ein echt schlechter Scherz.
Gleiche Bühne, anderes Gehalt
Das letzte Mal, dass ich zu Geld gefragt wurde, war so: Ich saß auf einem Podium – auf dem wir, Fun Fact, über Geld geredet haben – und ein anderer Podiumsgast fragte mich danach, wie viel ich dafür bekomme. Ich hab's ihm gesagt und, nun ja, ich' hab wesentlich weniger Geld bekommen als er. Meine Performance auf dem Podium war natürlich nicht schlechter als seine. Bezahlt wurde ich trotzdem so.
Das ist kein Einzelfall. Männer auf Bühnen bekommen oft so viel mehr Geld als Frauen.
Ungewöhnlich in diesem Fall war, dass mich das ein Mann gefragt hat. Die schweigen nämlich meistens. Und wisst ihr, warum? Weil sie wissen, dass es gut läuft mit dem Geld für sie. Schweigen hilft ihnen, ihre Privilegien zu behalten. Und die Kohle. Deshalb meine Bitte an euch: Sprecht über Geld, wo auch immer ihr könnt.
Offener über Geld zu sprechen, kann schon ein erster Schritt sein. Denn Geld ist nicht nur eine Zahl auf dem Konto. Geld bestimmt, wie frei Menschen ihr Leben gestalten können: ob sie einen Job ablehnen können, der nicht zu ihnen passt oder sie ausbrennt. Ob sie Zeit für Familie oder gesellschaftliches Engagement haben. Oder ob sie überhaupt die Möglichkeit haben, sich einzumischen.
Freiheit fängt mit Geld an!
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Sobald wir mehr und ehrlich über Geld sprechen, wird übrigens auch ziemlich schnell klar, dass nicht die das meiste Geld verdienen, die die beste Arbeit machen. Die Höhe des Gehalts sagt kaum etwas darüber aus, wie gut jemand arbeitet oder wie wichtig die Arbeit ist. Ökonom*innen sprechen hier davon, dass Einkommen nicht nur Leistung abbildet, sondern auch, wie welche Arbeit im Markt bewertet wird.
Ich bin gespannt, was das Entgelttransparenzgesetz in Gang setzt, was es verändert. Fest steht für mich schon jetzt: Es ist gut, dass die Reform kommt.
Und jetzt du: Sprichst du offen über dein Gehalt – oder eher nicht? Welche Erfahrungen hast du damit gemacht? 👇
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