Das Bedingungslose Grundeinkommen
Erkenntnisse aus zehn Jahren Praxistest in Deutschland

Wie wirkt das Grundeinkommen?

Was macht das Bedingungslose Grundeinkommen mit den Menschen, die es in unserem Praxistest für ein Jahr erhalten haben? Seit 2014 sammeln wir Antworten auf diese Frage.

Grundeinkommen wirkt über das Geld hinaus

Auf den ersten Blick ist die Wirkung des Grundeinkommens eher langweilig. Was kann man schon mit Geld machen? Ausgeben, verschenken, sparen oder investieren. Aber unser achtjähriger Praxistest zeigt: Es geht gar nicht so sehr ums Geld, sondern um die Bedingungslosigkeit.

Es ist eine völlig neue Erfahrung für fast alle Gewinner*innen, von fremden Menschen Geld ganz ohne Bedingungen zu erhalten. Dieser Akt suggeriert ihnen: Wir glauben an dich, probier dich aus, zeig was du kannst. Wenn es schiefgeht, macht das nichts. Dann probierst du es nächsten Monat einfach wieder. Das ermutigt und gibt Selbstvertrauen.

Wir gehen heute so weit zu behaupten: Das Geld ist nur ein Trick. Die eigentliche Wirkung entsteht durch die Bedingungslosigkeit.

Niemand braucht es – aber alle brauchen es

Wir haben in über zehn Jahren Praxistest kaum jemanden getroffen, der*die nicht zuerst so reagiert hat: „Ach, ich brauche das Grundeinkommen doch gar nicht. Es gibt so viele Menschen, die es nötiger haben als ich.“ Selbst der Obdachlose vorm Supermarkt sagt: „Die Obdachlosen am Bahnhof haben es noch viel schwerer als ich.“

Wir sind nicht gut darin, etwas bedingungslos anzunehmen, weil wir das nicht gelernt haben. Daran müssen sich viele Gewinner*innen erst gewöhnen. Zurückgeben wollte sein Grundeinkommen letztlich nur ein Gewinner.

Grundeinkommen wirkt vor allem bei denen, die es längst haben

Bei Menschen, die vorher wenig Geld hatten, löst das Grundeinkommen die Veränderungen aus, die wir alle erwarten: Sie investieren es klug, bilden sich weiter oder schulen um, machen sich selbstständig und gehen ins Risiko, um einen besseren Job zu bekommen. Oder sie kaufen, was sie sich vorher nicht leisten konnten.

Bei Menschen, die vorher keine Geldsorgen hatten, bewirkt das Grundeinkommen aber Erstaunliches: Sie erkennen, wie stressig und angstgetrieben ihr Leben ist. Im Grundeinkommensjahr finden viele zu einer tiefen, inneren Entspanntheit und mehr Selbstreflexion. Burnout-Symptome und Stress gehen zurück, Zufriedenheit und Kreativität nehmen zu – obwohl viele Gewinner*innen das Geld oft gar nicht anrühren.

Allein die Existenz des Grundeinkommens scheint oft auszureichen, damit es eine positive Wirkung entfalten kann.

Grundeinkommen sorgt für bessere Arbeit

Einige Gewinner*innen überlegen am Anfang ihres Grundeinkommensjahres, ihren Job zu kündigen. Aber dann passiert oft etwas Spannendes: Die neue Freiheit, theoretisch gehen zu können, wird praktisch fast nie genutzt. Mit der sozialen Sicherheit im Rücken begegnen sie ihren Chef*innen mutiger, verhandeln selbstbewusster, gestalten ihren Arbeitsplatz selbst angenehmer.

Ohne Existenzangst im Nacken arbeiten Menschen motivierter und selbstbestimmter. Sie erkennen den Sinn ihrer Arbeit wieder – falls nicht, kündigen sie in einigen Fällen tatsächlich und finden einen Job, der wirklich zu ihnen passt.

So oder so, niemand wird faul. Alle Gewinner*innen arbeiten weiter oder bilden sich fort. Insgesamt steigt ihr Einkommen über das Grundeinkommensjahr hinaus, weil die neue Freiheit ein selbstbewussteres Verhandeln oder neue berufliche Ziele möglich gemacht hat.

Grundeinkommen verringert Stress

Wenn wir dauerhaft gestresst sind, agieren wir im Überlebensmodus: Angriff, Flucht oder Totstellen sind die einzigen Handlungsoptionen, die unser Gehirn uns erlaubt. Das sind kurzfristig ausgerichtete Handlungen, die keine Situation dauerhaft lösen, sondern die Ursachen des Stresses eher verschärfen.

Das Grundeinkommen funktioniert bei vielen Gewinner*innen als Sicherheitsversprechen, als Schutzschild gegen Stress. Es entstehen Freiräume zum Durchatmen und Reflektieren. Das führt zu besseren, nachhaltigeren und sozialeren Entscheidungen.

Grundeinkommen macht gesünder

Jede*r zweite Deutsche ist Burnout-gefährdet. Unsere Gesellschaft brennt aus, obwohl wir in einem der reichsten Länder der Welt leben. Unsere Gewinner*innen sind weniger gestresst, sie schlafen besser, nehmen sich mehr Raum zur Selbstfürsorge.

Grundeinkommen macht gesünder – ist das nicht etwas zu weit hergeholt? Zwei unserer Gewinner*innen waren Morbus Crohn-Patient*innen, einer entzündlichen Darmerkrankung, die auch psychosomatische Ursachen haben kann. Seit ihrem Grundeinkommensjahr sind sie frei von Entzündungsschüben.

Das sind einzelne Anekdoten, natürlich. Aber sie sind Anlass genug, auch die Wirkung des Grundeinkommens auf unsere körperliche und psychische Gesundheit intensiver zu erforschen.

Grundeinkommen führt zu weniger Konsum

Wir fragen die über drei Millionen Menschen, die sich auf unserer Seite registriert haben, was sie mit einem Grundeinkommen machen würden. „Mehr bio und regional einkaufen“ ist eine ihrer häufigsten Antworten.

Viele Gewinner*innen konsumieren tatsächlich bewusster, weil sie es sich plötzlich leisten können. Sie stellen sich neue Fragen: Was will und was brauche ich wirklich? Warum kaufe ich mir das eigentlich?

Das Grundeinkommen fördert bei unseren Gewinner*innen auch ganz neue, postmaterielle Einstellungen: Ihre Frust- oder Kompensationskäufe nehmen ab, mit denen sie sich sonst für Unzufriedenheit oder Stress entschädigt haben.

Grundeinkommen verringert Stress

Wenn wir dauerhaft gestresst sind, agieren wir im Überlebensmodus: Angriff, Flucht oder Totstellen sind die einzigen Handlungsoptionen, die unser Gehirn uns erlaubt. Das sind kurzfristig ausgerichtete Handlungen, die keine Situation dauerhaft lösen, sondern die Ursachen des Stresses eher verschärfen.

Das Grundeinkommen funktioniert bei vielen Gewinner*innen als Sicherheitsversprechen, als Schutzschild gegen Stress. Es entstehen Freiräume zum Durchatmen und Reflektieren. Das führt zu besseren, nachhaltigeren und sozialeren Entscheidungen.

Arm oder reich, jung oder alt, rechts oder links – alle Gewinner*innen sagen uns dasselbe: Es geht gar nicht ums Geld, sondern ums Grundeinkommens-Gefühl:

Die Grundeinkommensgefühle

1. Aus Misstrauen wird Zutrauen
Marlene besiegt die Existenzangst

Kaum ein Gefühl ist so sehr in uns verankert wie die Existenzangst. Auch Marlene kennt sie. Erst das Grundeinkommen nimmt ihr privat und beruflich die Angst vor dem Abstieg.

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2. Aus Abhängigkeit wird Freiheit
Viola und die Freiheit, selbst zu bestimmen

Viola ist eine von knapp anderthalb Millionen alleinerziehenden Müttern in Deutschland. Erst als die heute 56-Jährige das Bedingungslose Grundeinkommen gewinnt, lernt sie, wieder selbstbestimmter über ihr Leben zu entscheiden.

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Das ist noch nicht alles!

Wir haben alle Grundeinkommens-Gefühle in einem Bestseller zusammengefasst, der als Buch und Hörbuch erschienen ist.

Der Grundeinkommens-Kreislauf

Eine Gesellschaft mit Grundeinkommen stärkt den Menschen. Der Mensch wiederum stärkt die Gesellschaft.

Wie sähe eine Welt mit
Grundeinkommen aus?

Könnte das Grundeinkommen helfen, die großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen?

Wir wollen es wissen